Oliver Schneiss
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Oliver Schneiß

Gitarrist und Gitarrenlehrer

Gibson Les Paul Standard

Baujahr: 10. Mai 1988 in Nashville/USASteg P.U. wurde zwischenzeitlich durch einen „Häussel – Nik Huber/Vintage Plus“ ersetzt

Kommen wir also zu meinem Schätzchen, der einzigen Gitarre, an der ich wirklich richtig hänge! Warum? – Ok, das versuche ich mit den folgenden Zeilen mal einigermaßen zu erklären!

1988 befand ich mich in einem Bad Kreuznacher Musikhaus in der Ausbildung zum Verkäufer/Musikalienhandel. In der Zwischenzeit hatte ich mir neben meiner „Hamer Chaparral“ noch eine „Charvel“-Gitarre zugelegt, als ein Vertreter des Gibson-Großhandels die oben abgebildete Gitarre in den Laden brachte. SOFORT war er es um mich geschehen. Weiß gar nicht, warum ausgerechnet jetzt, denn schließlich war es nicht das erste Mal, dass ich eine echte Les Paul direkt vor mir hatte. Jedenfalls wurde ich direkt von der Schönheit dieses Instruments gefangen genommen! Anfänglich konnte ich gar nicht so besonders gut drauf spielen, weil ich durch die schmalen Hälse meiner „Heavy Metal – Klampfen“ sehr verwöhnt war, und im Sitzen ist eine Paula sowieso nicht gerade leicht zu bändigen.

Aber der Ton …!!! Sofort erkannte ich den singenden Sound vieler Gary Moore Soli wieder, als ich den Hals-P.U. über einen mäßig verzerrten Marshall-Amp spielte. Und mit dem Steg-P.U. hatte man sofort den schmatzenden, „braunen“ Sound der allermeisten klassischen Rockriffs parat!

Als Azubi hat man natürlich nicht die Geldmittel zur Hand, um mal eben 2150,- DM (merke: heute löhnt man ca. 2500,- € für eine solche Gitarre!!!) locker zu machen. Was also tun? Erst mal alle potentiellen Käufer an diesem Teil vorbei und an die damals schon sehr angesagten „Ibanez“-Gitarren führen. ZEIT GEWINNEN! In der Zwischenzeit Geld sparen, die „Charvel“-Gitarre verkaufen und dann ENDLICH, einige Monate nach unserer ersten Bekanntschaft, durfte ich das Sahneteil mit heim nehmen.

Obwohl ich das Instrument nun schon etliche Male im Geschäft gespielt und immer wieder mit meinen Augen „vernascht“ hatte (mache ich heute noch von Zeit zu Zeit, wenn ich sie putze, neu besaite und bei der Gelegenheit einige liebevolle, dankbare Worte fallen lasse! *grins), durfte sie die erste Nacht links neben mir in meinem Bett verbringen. Natürlich hielt ich gebührenden Abstand, um ihr nicht aus Versehen mit einer unruhigen Schlafbewegung den Hals zu brechen. Das war übrigens das erste und einzige Mal, dass einer Gitarre diese Ehre zuteil wurde.

Fortan spielt ich sie sehr häufig aber niemals exklusiv, weil der Sound sehr speziell ist und manchmal etwas heftig fett im Bandgefüge sein kann.Leider verabschiedete sich sehr bald der Steg-P.U.Mein damaliger Techniker und Freund Steffen Klein (R.I.P.) stellte fest, dass der Spulendraht gerissen war und wickelte mir den Tonabnehmer mit der Hand neu nach. So richtig Klasse war der Sound dann aber doch nicht mehr … Ich musste zukünftig mehr Gain verwenden, weil der P.U. nicht mehr den gewohnten Output hatte.Erst 2002 setzte ich einen „Seymour Duncan JB-4“ ein, der aber leider nicht recht zur Gitarre passte. Endlich bekam ich von meiner neuen Reparaturwerkstatt „Nik Huber Guitars“ (baut übrigens Highend Gitarren!) den Tipp, es mal mit einem „Häussel-Tonabnehmer“ zu probieren, die Nik auch in einige seiner Gitarren einbauen lässt! Also ließ ich den „Häussel – Nik Huber/Vintage Plus“ einsetzen und, was soll ich sagen?, noch niemals hatte ich ein solches Aha-Erlebnis! Besser kann eine Gitarre meiner Meinung nach nicht klingen! Ich habe noch keine bessere Les Paul in meinen Händen gehalten. Mehrmals wurde ich nach Auftritten gefragt, ob mein Marshall und die Les Paul wirklich das einzige Equipment seien! Und tatsächlich ist es so!Natürlich merkt man die Unterschiede zwischen verschiedenen Gitarren erst richtig über Top-Verstärker! Verwendet man Geräte, wie den „Line6 POD“ oder div. andere Effektgeräte, die man direkt mit einem Mischpult verbindet, klingen alle Gitarren recht ähnlich. Über sehr gute Verstärker wie mein „Marshall-Stack“ und meinen „AER-Bingo“ ist dann aber Schluss mit lustig, und es zeigt sich, was gute Ausrüstung wirklich bedeutet! Zu diesem Thema aber später an anderer Stelle mehr.Jedenfalls klingt meine Les Paul über den Marshall mit beiden Pick Ups nach perfektem Rock ’n Roll-Sound, und mit Hilfe des Hals-P.U. sowie dem AER-Combo erziele ich einen dermaßen warmen, leicht jazzigen Ton, dass einem die Tränen kommen.Wichtig ist in diesem Zusammenhang NATÜRLICH auch, was man mit seinen Fingern macht. Die Gitarre ist sehr sensibel in der Ansprache! Der Vorteil ist, dass ich jede Menge Sounds mit Volume- und Tone-Potis, sowie meinen Anschlag (Pick oder Finger) erziele, aber wer das nicht im Griff hat, dürfte eine Menge „Müll“ erzeugen, weil eben keine Unsauberheiten verziehen werden!Sie kratzt und beißt, brät einem ordentlich das Hirn weg, oder schnurrt samtig und schmeichelt sich gekonnt bei Spieler und Hörer ein! – MIR erweist sie somit jeden möglichen DieIhr merkt, ich bin immer noch und immer wieder restlos begeistert von meiner großen Gitarren-Liebe!